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Wechseljahre: Warum die Hormontherapie neu bewertet wird

von redaktion

Für viele Frauen beginnen die Wechseljahre nicht mit einem klaren Ereignis, sondern schleichend. Der Schlaf wird unruhiger, Hitzewallungen kommen ohne Vorwarnung, die Stimmung schwankt, die Konzentration lässt nach. Lange Zeit galt es als selbstverständlich, diese Phase einfach durchzustehen. Heute sprechen Frauen offener darüber, und auch in der Medizin hat sich der Blick auf die Behandlung von Wechseljahresbeschwerden deutlich verändert.

Ein wichtiger Grund dafür ist eine neue Einordnung der Hormontherapie. Anfang der 2000er-Jahre sorgte eine grosse amerikanische Studie für Schlagzeilen, weil sie bei Frauen unter Hormontherapie ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs, Herzinfarkt und Schlaganfall zeigte. Viele Frauen setzten ihre Behandlung daraufhin ab, und viele Ärztinnen und Ärzte wurden zurückhaltend. Spätere Auswertungen zeigten jedoch, dass die Teilnehmerinnen im Durchschnitt deutlich älter waren als Frauen, die typischerweise mit einer Therapie beginnen, und dass damals andere Präparate verwendet wurden als heute üblich.

Die heutigen Empfehlungen der Fachgesellschaften fallen differenzierter aus. Für gesunde Frauen, die in den ersten Jahren nach der letzten Menstruation mit einer Behandlung beginnen, überwiegt bei ausgeprägten Beschwerden in vielen Fällen der Nutzen. Die Hormontherapie lindert Hitzewallungen und Schlafstörungen wirksam und schützt die Knochen vor Osteoporose. Entscheidend sind dabei Zeitpunkt, Dosis, Art der Präparate und die individuelle Krankengeschichte. Fachleute sprechen deshalb von einem Zeitfenster: Je früher nach Beginn der Wechseljahre eine Behandlung startet, desto günstiger fällt die Nutzen-Risiko-Bilanz in der Regel aus. Wer erst viele Jahre später beginnt, sollte die Entscheidung besonders sorgfältig abwägen.

Auch die Form der Anwendung hat sich weiterentwickelt. Östrogen wird heute häufig über die Haut verabreicht, etwa als Gel oder Pflaster, was nach aktuellem Wissensstand mit einem geringeren Thromboserisiko verbunden ist als die Einnahme in Tablettenform. Frauen mit Gebärmutter erhalten zusätzlich ein Gestagen zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut. Mikronisiertes Progesteron gilt dabei als besonders gut verträglich.

Eine Hormonersatztherapie ist dennoch keine Lösung für alle. Frauen mit bestimmten Krebserkrankungen in der Vorgeschichte, mit Thrombosen oder schweren Lebererkrankungen kommen dafür meist nicht infrage. Für sie gibt es andere Möglichkeiten, von nicht-hormonellen Medikamenten bis zu gezielten Anpassungen des Lebensstils. Umso wichtiger ist eine ausführliche ärztliche Abklärung vor Beginn und regelmässige Kontrollen während der Behandlung.

Was sich vor allem verändert hat, ist die Haltung. Wechseljahresbeschwerden gelten nicht mehr als etwas, das Frauen einfach hinnehmen müssen. Wer darunter leidet, hat ein Recht auf eine sorgfältige Beratung, die Nutzen und Risiken ehrlich abwägt und die persönliche Situation ernst nimmt. Diese Beratung ist der eigentliche Fortschritt der letzten Jahre.

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