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Fast 94 Prozent junger LSBTIQA*-Personen in Bayern erleben Diskriminierung

von redaktion



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06.12.2023 13:34

Fast 94 Prozent junger LSBTIQA*-Personen in Bayern erleben Diskriminierung

Prof. Dr. Stefan Timmermanns von der Frankfurt UAS ist Kooperationspartner im Forschungsprojekt „How are you?“

Erstmals sind mehr als 2.000 junge LSBTIQA*-Personen, das heißt Menschen, die lesbisch, schwul, bi-, trans-, inter- bzw. asexuell oder queer sind, zwischen 14 und 27 Jahren in Bayern online zu ihrer Lebenssituation befragt worden. Sie äußerten sich dabei auch zu möglichen Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen, unterstützenden Ressourcen zu deren Bewältigung sowie zu spezifischen Bedarfen. Der Bayerische Jugendring (BJR) hat gemeinsam mit dem Institut für Diversity- & Antidiskriminierungsforschung (IDA) und der Hochschule Fresenius am 6. Dezember 2023 die Ergebnisse des von ihm initiierten Forschungsprojekts „How are you?“ (HAY) vorgestellt. Prof. Dr. Stefan Timmermanns, Professor für Sexualpädagogik und Diversität in der Sozialen Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) wirkte als Kooperationspartner am Projekt mit. Er brachte Erfahrungen und Ergebnisse aus der vorangegangenen, deutschlandweit durchgeführten „Wie geht’s Euch“-Studie der Frankfurt UAS mit 8.700 erwachsenen Teilnehmenden ein.

Die Ergebnisse von HAY zeigen deutlich, dass sowohl das Wohlbefinden als auch die Resilienz von jungen LSBTIQA*-Personen deutlich niedriger sind als diejenigen Gleichaltriger in der Allgemeinbevölkerung. Dem liegen reelle Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen zugrunde sowie – insbesondere bei jüngeren LSBTIQA*-Personen – Ängste vor einem Coming-out, vor Ablehnung und Diskriminierung. Etwa 9 von 10 Befragten (93,9 Prozent) gaben an, mindestens einmal Diskriminierung erlebt zu haben. Die größte Offenheit im Umgang mit ihrer LSBTIQA*-Identität zeigen junge queere Menschen gegenüber Freund*innen, die geringste am Arbeitsplatz. Im Internet geben sie sich offener als ihrer Familie gegenüber, wo vermutlich Erfahrungen von Diskriminierung und fehlender Akzeptanz zu einem ambivalenten Verhältnis führen.

„Die Zahl der bayerischen Jugendlichen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Identität Diskriminierung erfahren mussten, ist im deutschlandweiten Vergleich alarmierend. So gaben in unserer 2021 veröffentlichten ‚Wie geht’s Euch‘-Studie nur rund 50 Prozent der erwachsenen Befragten aus ganz Deutschland an, solche Erfahrungen in ihrem Umfeld gemacht zu haben“, betont Timmermanns. „Im Vergleich war die hohe Belastung mit Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen, die vor allem trans* und non-binäre Personen äußern, in beiden Befragungen ähnlich.“

Auffallend sei zudem, dass die Entwicklung von Resilienz oder die Nutzung von Ressourcen – also beispielsweise Freundschaften zum Austausch über Probleme, unterstützende Personen, die zur Seite stehen und Zuversicht vermitteln – vor allem den jüngeren Teilnehmenden schwerfällt. „Diese Fähigkeiten können erst mit der Zeit und durch das Erwachsenwerden entwickelt werden und werden durch Diskriminierung und Gewalt verhindert. Umso wichtiger ist es, Angebote der Jugendarbeit für queere Jugendliche auch im ländlichen Bereich auszubauen, um die Entwicklung von Resilienz und Ressourcen zu unterstützen“, so Timmermanns. „Gleichzeitig müssen Akzeptanz und Maßnahmen gegen Diskriminierung auf gesellschaftlicher Ebene gestärkt werden, um Diskriminierungserfahrungen vorzubeugen.“ Ebenso können laut Timmermanns Fortbildungen zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt für Fachkräfte in Schulen, Jugendarbeit und im Gesundheitsbereich dazu beitragen, das Wissen und die Kompetenz im Umgang mit LSBTIQA*-Personen – kurz die Regenbogenkompetenz – zu erhöhen.

Ergebnisse der HAY-Studie:
Die Pressemitteilung des BJR zu den Ergebnissen des Forschungsprojekts HAY kann online unter http://www.howareyou.bayern abgerufen werden. Ebenso findet sich dort eine Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse. Die vollständige Studie erscheint Anfang 2024. Bereits jetzt können Sie diese unter Angabe Ihrer Kontaktdaten als Print- oder PDF-Version per E-Mail an wolf.patrick@nospam-bjr.de vorbestellen.

Zur Person:
Prof. Dr. Stefan Timmermanns ist seit 2013 als Professor für Sexualpädagogik und Diversität in der Sozialen Arbeit an der Frankfurt UAS tätig. Er ist Vorsitzender der Gesellschaft für Sexualpädagogik e.V. und war Mitglied der Kommission zum gesetzlichen Verbot sog. Konversionstherapien. Unter anderem wirkte er an der Studie „Wie leben lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Jugendliche in Hessen?“ mit, die Teil der Umsetzung des Hessischen Aktionsplans für Akzeptanz und Vielfalt ist und aus Landesmitteln finanziert wurde. Details der Erhebung sind unter http://bit.ly/LSBTQ-Jugendliche nachzulesen.

Kontakt: Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit, Prof. Dr. Stefan Timmermanns, Telefon: +49 69 1533-2851, E-Mail: timmermanns.stefan@nospam-fb4.fra-uas.de

Weitere Informationen zum Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit an der Frankfurt UAS unter http://www.frankfurt-university.de/fb4.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Stefan Timmermanns, Telefon: +49 69 1533-2851, E-Mail: timmermanns.stefan@nospam-fb4.fra-uas.de


Bilder

Prof. Dr. Stefan Timmermanns von der Frankfurt UAS.

Prof. Dr. Stefan Timmermanns von der Frankfurt UAS.
Frankfurt UAS


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch


 

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