Home Konsum Das Selbstwertgefühl von Mitarbeitern wird als wichtiger Wirtschaftsfaktor in Unternehmen häufig unterschätzt

Das Selbstwertgefühl von Mitarbeitern wird als wichtiger Wirtschaftsfaktor in Unternehmen häufig unterschätzt

von redaktion

Ein gesundes Selbstwertgefühl von Führungskräften und Mitarbeitern ist ein  nicht sichtbarer, aber dennoch sehr entscheidender Wirtschaftsfaktor für den Erfolg eines Unternehmens. Menschen mit einem gesunden Selbstwertgefühl sind zufriedener und das wirkt sich nicht nur positiv auf die Produktivität des einzelnen Mitarbeiters aus, sondern auch auf das gesamte Betriebsklima und letztendlich auf die Rentabilität des Unternehmens. Mitarbeiter, die ein gesundes Selbstwertgefühl haben, sind motivierter, selbstbewusster und engagierter. Sie bringen in optimaler Weise ihre Fähigkeiten und Ideen ein und sie trauen sich, Verantwortung zu übernehmen. Darüber hinaus sind sie weniger anfällig für Stress und Burnout.

In der Arbeitswelt kommt ein Mangel an Selbstwert auf verschiedene Weise zum Ausdruck. Oft ist ein eventueller Mangel an Selbstwert nicht sofort erkennbar ist. Er wird hinter einer Fassade von gelernter Selbstsicherheit oder beeindruckenden Leistungen verborgen. Doch bei manch einem nagen tief im Inneren trotz vermeintlicher Selbstsicherheit, Schlagfertigkeit und großartiger Erfolge Selbstzweifel. Und diese erzeugen Leid bei den Betroffenen. Die Folge: Erschöpfung, De-Motivation, Erkrankung und im schlimmsten Fall die innere Kündigung. Die Autorin und Rednerin Daniela Landgraf beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Selbstwert und Selbstwertstärkung. Ein gesundes Selbstwertgefühl und ein gutes Selbstbewusstsein sind wichtige Pfeiler dafür, dass Menschen gesund und leistungsfähig bleiben. Doch nicht nur das. Auch die Lebensfreude und damit die Energie und der Erfolg steigen, wenn Selbstzweifel sinken (Zitat Daniela Landgraf).

Landgraf unterteilt in drei Selbstwertmangeltypen, die typischerweise in Unternehmen zu finden sind. Sie beschreibt diese Selbstwertmangeltypen ausführlich in ihren Büchern „Das Selbstwert-Lexikon“ und „Starker Selbstwert – starkes Unternehmen. Doch Achtung: Selbstverständlich gibt es auch genug Menschen mit einem gesunden Selbstbewusstsein und einem starken Selbstwertgefühl. Die Selbstwertmangeltypen benennt die Keynotespeakerin Landgraf wie folgt:

Typ 1: Das scheue Reh

Menschen dieses Typs haben ein offensichtliches Problem mit ihrem Selbstwertgefühl. Sie sind sich ihrer Thematik bewusst und leiden häufig unter der Angst vor Ablehnung, dem Versagen oder davor, Fehler zu machen. Sie gehen Konflikten aus dem Weg und sprechen ihre Bedürfnisse nicht aus. Die eigene Meinung wird oft zurückgehalten, aus Angst davor, dass sie nicht geteilt wird und sie deswegen abgelehnt werden könnten. Betroffene fühlen sich nie gut genug und neigen zum Perfektionismus. Während es auf den ersten Blick für ein Unternehmen vielleicht großartig erscheint, einen harmoniebedürftigen und fleißigen Mitarbeiter zu haben, der sich für jeden «aufopfert» und unauffällig ist, kann dies viele Probleme mit sich bringen. So kann beispielsweise die Angst vor unangenehmen Gesprächen oder die Unfähigkeit, Grenzen zu setzen zu einem gestörtem Betriebsklima führen. Das Verschweigen von Fehlern aus Angst vor Konsequenzen kann zu verärgerten Kunden und erhöhten Fehlzeiten führen. Die fehlende Offenheit für konstruktive Kritik verhindert die Chancen zur Verbesserung von Dingen. Betroffene Mitarbeiter fühlen sich bei Kritik oft persönlich angegriffen und suchen ständig nach Bestätigung, was Führungskräfte und Kollegen vor Herausforderungen stellen kann. Da sie aus Angst vor Ablehnung oder Konsequenzen nur sehr schwer „Nein!“ sagen können, werden sie vielfach als «Mutter Teresa» (Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Mutter_Teresa) missbraucht, indem ihnen immer mehr Arbeit aufgebürdet wird. Häufig kümmern sie sich zu sehr um die Probleme anderer und vernachlässigen ihre eigenen Bedürfnisse. In der Psychologie werden diese Menschen als Echoisten bezeichnet.

Typ 2: Die Leitstute / der Leithengst

Bei diesem Selbstwertmangeltypus ist ein Mangel an Selbstwertgefühl alles andere als offensichtlich. Die betroffenen Personen sind vielfach ausgesprochen erfolgreich und leisten viel. Dennoch haben sie immer wieder das Gefühl, nicht gut genug zu sein oder noch nicht genug zu leisten. Diese Selbstzweifel entstehen vielfach bereits in früher Kindheit und können ausgesprochen hartnäckig sein. Menschen dieses Typs sind sich ihres mangelnden Selbstwertgefühls durchaus bewusst und arbeiten aktiv daran, es zu verbessern. Sie sind vielfach in Führungspositionen oder anderen erfolgreichen Rollen zu finden. Dennoch haben sie stets das Gefühl, nicht gut genug zu sein, nicht genug geleistet zu haben oder noch schlimmer: ihr Erfolg sei dem Zufall geschuldet. Bekommen sie Lob von anderen, antworten sie mit „Ach, das ist doch keine große Leistung gewesen“, denn Anerkennung anzunehmen fällt ihnen schwer. Nach außen hin wirken diese Personen selbstbewusst, selbstsicher und haben ein souveränes Auftreten. Nach innen hin nagen regelmäßig die Selbstzweifel. Das macht auf Dauer krank, da sich Betroffene regelmäßig überfordern. Typische Übungen zur Stärkung des Selbstwertgefühls und zur Stärkung des Selbstbewusstseins, wie zum Beispiel Erfolgstagebuch schreiben, haben bei diesem Selbstwertmangeltypen wenig bis gar keinen Erfolg, denn die Selbstzweifel sind tief im Inneren verankert. In der Psychologie wird dieses Phänomen als Impostor-Syndrom oder Hochstapler-Syndrom bezeichnet. Betroffene fühlen sich wie Hochstapler und zweifeln trotz vieler Erfolge an ihrer Kompetenz.

Typ 3: Der brüllende Löwe

Diese Menschen haben ihre Selbstzweifel und ihren Mangel an Selbstwert verdrängt, anstatt ihn wirklich zu bearbeiten. Sie haben sich ein selbstsicheres Auftreten so sehr antrainiert, dass es teilweise schon ins Überhebliche umschlägt. Diese Verhaltensweisen sind sprichwörtlich in Fleisch und Blut übergegangen. Menschen dieses Typs fühlen sich ausgesprochen selbstsicher und glauben fest daran, dass sie ein fast unbesiegbares Selbstwertgefühl haben, zumindest so lange der Erfolg ihnen Recht gibt. In Wahrheit jedoch verfügen sie über kein gesundes Selbstwertgefühl von innen heraus, da sie ihre Selbstzweifel nur verdrängt und nicht wirklich bearbeitet haben. Ihr gesamtes Selbstwertgefühl ist meist aufgrund von Äußerlichkeiten aufgebaut. Das ursprüngliche Selbstwertproblem ist so stark verdrängt, dass vielfach Mal ins Gegenteil umschlägt – in gezeigte Großartigkeit und Überlegenheit. Betroffene zeigen Verhaltensweisen wie Überheblichkeit, Besserwisserei und Dominanz. Schwäche wird nicht zugegeben, bei Fehlern wird ein Schuldiger gesucht (eine andere Person, die Umstände etc.). Fehler oder Fehlentscheidungen geben sie nicht zu. Verantwortung für ein eventuelles Scheitern haben stets die anderen oder die Umstände. Schwäche wird nie gezeigt. Als Führungskraft fehlt häufig die Empathie für die Mitarbeiter. Sie fordern viel von ihren Mitarbeitern und nehmen keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer. Eigene Ideen müssen unbedingt durchgesetzt werden, auch wenn andere Wege zielführender und sinnvoller wären. In der Psychologie wird das als narzisstische Verhaltensweise bezeichnet. Und das führt fast zwangsläufig zu Konflikten im Team, sowie zur De-Motivation und zum Frust der Mitarbeiter.

Fazit:

Ein gesundes Selbstwertgefühl ist für Daniela Landgraf DER Wirtschaftsfaktor Nummer eins in Unternehmen. Es beeinflusst die individuelle Leistungsbereitschaft, die Zufriedenheit der Mitarbeiter und somit auch die Produktivität und Rentabilität des Unternehmens. Unternehmen sollten sich aktiv mit dem Thema Selbstwertgefühl auseinandersetzen und Maßnahmen ergreifen, um ein gesundes Selbstwertgefühl bei ihren Mitarbeitern zu fördern. Daniela Landgraf nennt und erläutert in ihren Büchern und Vorträgen Möglichkeiten, Wege und Übungen für jeden einzelnen Selbstwertmangeltyp. Denn das, was bei dem einen Selbstwertmangeltyp helfen kann, wirkt bei dem anderen noch lange nicht.

Transparenz und offene Kommunikation schaffen Vertrauen und ermöglichen es den Mitarbeitern, über ihre Selbstwertthemen zu sprechen. Eine positive Feedbackkultur stärkt das Selbstbewusstsein der Mitarbeiter und ermutigt sie, ihre Stärken weiterzuentwickeln. Gezielte Mitarbeiterförderung und Schulungen helfen den Mitarbeitern, ihre Kompetenzen auszubauen und ein positives Selbstbild zu entwickeln.

Führungskräfte sollten als Vorbilder vorangehen und Selbstwertthemen offen ansprechen, um ein unterstützendes Umfeld zu schaffen. Ein effektives Konfliktmanagement ermöglicht es den Mitarbeitern, Probleme offen anzusprechen und Lösungen zu finden, ohne Angst vor Ablehnung oder negativen Konsequenzen haben zu müssen.

Indem Mitarbeiter in ihrem Selbstwert gestärkt werden, können sie ihr volles Potenzial entfalten und zur positiven Entwicklung des Unternehmens beitragen. Ein gesundes Selbstwertgefühl bildet die Grundlage für ein harmonisches Betriebsklima, effiziente Arbeitsabläufe und die kontinuierliche Weiterentwicklung des Unternehmens. Eine Investition in das Selbstwertgefühl der Mitarbeiter zahlt sich langfristig aus und führt zu einem zufriedeneren und erfolgreicheren Arbeitsumfeld.

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