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Aktuelle Prognosen für die Schweizer Wirtschaft

von redaktion

Aktuelle Prognosen für die Schweizer Wirtschaft

Kategorie: Allgemeine Infos, Industrie, Wirtschaft | Eingetragen am 9. Mai 2022 um 08:42 Uhr

Wenn es um Vorhersagen für die Schweizer Wirtschaft geht, richtet sich der Blick rasch auf die Einschätzungen der KOF, der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. In Zeiten des Ukraine-Krieges ist die Prognose von besonders vielen Unwägbarkeiten und Unsicherheiten gezeichnet, daher soll im Folgenden ein detaillierter Blick auf verschiedene Möglichkeiten für den weiteren Verlauf des Jahres 2022 geworfen werden.

Krisenfolgen in der Industrie
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Zukunftsszenarien für die Schweiz in 2022
Die KOF hat für das Jahr 2022 unter Berücksichtigung des Ukraine-Konflikts zwei Szenarien entwickelt. Das erstere ist die Basis-Variante und gibt ein positiveres Gesamtbild ab. Man geht hier davon aus, dass der Krieg nicht länger als 3 Monate andauert und sich die ökonomischen Auswirkungen weitgehend auf das zweite Quartal beschränken. Die helvetische Wirtschaft sollte demnach langfristig relativ unbeschadet bleiben, zumal weder Russland noch die Ukraine wichtige Handelspartner des Landes sind.

 Das als etwas unwahrscheinlicher angesehene Negativszenario geht hingegen von einem längeren Konflikt mit spürbaren wirtschaftlichen Auswirkungen für Westeuropa aus. Der Franken könnte als beliebte Währung für Anleger aufgewertet werden. Zudem gehen die Experten hier davon aus, dass die Rohstoff- und Energieexporte aus Russland in die EU gestoppt werden, was in Europa zu höheren Energiepreisen und Produktionsverringerungen führen wird. Infolgedessen würde dann auch die Nachfrage der Nachbarländer nach Schweizer Exportprodukten sinken und der Rohstoffhandel Russlands über die Schweiz enden. Dieser macht laut der Großbank UBS fünf Prozent des BIP des Landes aus und wäre ein recht schmerzhafter Einschnitt. Doch es gibt noch einen weiteren Faktor, der abschließend beleuchtet werden soll.

Krisenfolgen in der Industrie
Von der Außenwirkung nicht so präsent wie zum Beispiel die Uhrenindustrie, ist die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) des Landes. Jedoch ist dieser Zweig in Sachen Beschäftigung und Exporte bedeutsamer und insgesamt sieht er einer positiven Zukunft steigender Umsätze entgegen. Bereits problematisch sind jedoch die Lieferengpässe zusammen mit steigenden Preisen für Rohstoffe. Ein Beispiel dazu: Drehteile wie Achsen, Schrauben, Spindeln und Wellen bieten zum Beispiel signifikante Vorteile, wenn sie aus Edelstahl gefertigt sind. Diese Verbindung aus Eisen, Nickel und Chrom sorgt nicht nur für eine hohe Oberflächengüte, ausgeprägte Korrosionsbeständigkeit sowie eine hohe Festigkeit. Auch ist Edelstahl beständig gegen schwache anorganische sowie organische Säuren und hält Temperaturen bis 300 Grad Celsius aus. Insgesamt handelt es sich also um einen nicht zu unterschätzenden Werkstoff der MEM. Doch die für die Herstellung nötigen Rohstoffe können in Krisenzeiten mitunter schwerer beschafft werden, was zusammen mit steigenden Energiepreisen dafür sorgt, dass Edelstahl mittlerweile dreimal so viel kostet.

So verwundert es nicht, dass Schweizer Firmen bereits nicht zu knapp an der Preisschraube drehen, was als Pufferwerkzeug jedoch auch nur in begrenztem Maße ausgereizt werden kann. So sehen bereits Gemeinden davon ab, neue Wasserpumpen zu ordern, weil die verlangten Preise momentan nicht stemmbar seien. Ein Lichtblick ist jedoch, dass die Firmen des Landes immer mehr dazu übergehen, Lager einzurichten und sich vom Just-in-Time-Modell der Produktion zu verabschieden. Auch gehen Unternehmen dazu über, ihr Portfolio an Zulieferern zu diversifizieren und regelrechte Liefernetzwerke aufzubauen. Insgesamt befindet sich die Schweiz auch im krisengebeutelten ersten Halbjahr 2022 auf einem vergleichsweise guten ökonomischen Fundament, wobei auch die Lehren aus vergangenen Krisen ihren Teil dazu beigetragen haben.

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